Terrorjahr 1977
- 40 Jahre Deutscher Herbst -

Die neue Schwerpunkt-Reihe der Volkshochschule Darmstadt in Kooperation mit dem AStA der Hochschule Darmstadt und dem AStA der Evangelischen Hochschule Darmstadt beleuchtet in einer aktuellen Vortragsreihe zum 40. Jahrestag des Deutschen Herbsts 1977 mit namhaften Referenten Ursache und Wirkung des Linksterrorismus der RAF – aus gesellschaftspolitischem, historischem und kulturellem Blickwinkel.

Einleitung

Sechs gegen sechzig Millionen (Heinrich Böll):

1970 schlug die Geburtsstunde der sog. Roten Armee Fraktion (RAF), nach der Befreiung von Andreas Baader aus der Haft. Nach 28 Jahren – 1998 – löste sie sich selbst wieder auf. Der RAF-Terror umfasste drei Generationen: Auf ihr Konto gingen 34 Morde, zahlreiche Banküberfälle und Sprengstoffattentate. Die Morde an Buback, Ponto und Schleyer brachten die westdeutsche Bundesrepublik an den Rand des Staatsnotstands. Am 5. September 1977 hielt die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer das ganze Land in Atem. Nicht minder dramatisch verlief das Geiseldrama von Mogadischu. All dies stürzte die Bundesrepublik in ihre bis dahin tiefste Krise, der Herbst 1977 ging als Menetekel in die deutsche Geschichte ein.

Die neue Schwerpunkt-Reihe der Volkshochschule Darmstadt in Kooperation mit dem AStA der Hochschule Darmstadt und dem AStA der Evangelischen Hochschule Darmstadt beleuchtet in einer aktuellen Vortragsreihe zum 40. Jahrestag des Deutschen Herbsts 1977 mit namhaften Referenten Ursache und Wirkung des Linksterrorismus der RAF – aus gesellschaftspolitischem, historischem und kulturellem Blickwinkel.

10.10.2017 - 1977 - RAF gegen die Bundesrepublik

Deutscher Herbst: Die Geschichte des Linksterrorismus in Westdeutschland

  • Dienstag, 10.10.2017, 19 Uhr
  • Café Glaskasten (EG Hochhaus, Schöfferstraße 3)
  • Eintritt 6 EUR - für Studierende der h_da freier Eintritt!

1977 erreichte der Linksterrorismus der Roten Armee Fraktion in der Bundesrepublik eine bislang unbekannte Dimension. Butz Peters schildert die dramatischen Ereignisse des Schlüsseljahrs 1977: Schleyer-Entführung, die Morde an Ponto, Buback und Schleyer, das Mogadischu-Geiseldrama. Die packende Geschichte, der genaue Ablauf der Ereignisse. Es endet nicht mit 1977, sondern reicht bis in unsere Zeit hinein: Erst im Lauf der Jahrzehnte stellte sich heraus, was damals tatsächlich geschah.

Dr. Butz Peters, geboren 1958, lebt in Dresden, ist Publizist und Rechtsanwalt und einer der führenden Experten zur Geschichte der Roten Armee Fraktion. Er war Leiter des Ressorts Rechtspolitik beim NDR, Moderator der Sendung »Aktenzeichen XY … ungelöst« und schrieb drei Bestseller über die RAF. Nun hat er für das Porträt des deutschen Schicksalsjahrs 1977 mit Zeitzeugen gesprochen, Zehntausende Seiten Quellenmaterial, teilweise erst seit Kurzem zugänglich, ausgewertet. Bücher u.a.: 1977 - RAF gegen Bundesrepublik.

17.10.2017 - Deutscher Herbst: "Natürlich kann geschossen werden"

Wie die RAF die Bundesrepublik an den Rand des Staatsnotstands brachte

  • Dienstag, 17.10.2017, 19 Uhr
  • Café Glaskasten (EG Hochhaus, Schöfferstraße 3)
  • Eintritt 6 EUR - für Studierende der h_da freier Eintritt!

Im Deutschen Herbst brachte die RAF die Bundesrepublik mit der Schleyer-Entführung an den Rand des Staatsnotstands. Wie kam es dazu, dass Bürgerkinder in einem wohlhabenden Land 1970 einen antiimperialistischen Krieg gegen den Staat anzettelten? Wie reagierten Politik, Justiz und Polizei auf diesen unerwarteten Angriff? Wie gelang es der Regierung Schmidt, der Terrorgruppe Ende 1977 die entscheidende Niederlage beizubringen? Wieso dauerte es 28 Jahre, bis die RAF ihren Kampf aufgab?

Michael Sontheimer: Der Journalist und Historiker wurde 1955 in Freiburg/Brsg. geboren. Nach dem Studium der Geschichte, Politologie und Publizistik an der FU Berlin gründete er 1979 gemeinsam mit anderen die alternative tageszeitung. 1984 wurde er Redakteur im „Dossier“ der Zeit, von 1992 bis 1994 arbeitete er als Chefredakteur bei der tageszeitung und ab 1995 für den Spiegel, unter anderem als Leiter des Berliner Büros. Seit über 30 Jahren schreibt er über den westdeutschen Linksterrorismus. Das letzte seiner zehn Bücher zu politischen und historischen Themen war „’Natürlich darf geschosssen werden.’ Eine kurze Geschichte der Roten Armee Fraktion“, erschienen 2010.

15.11.2017 - Gegen den Terror: Erinnerungen eines Staatsanwalts an die RAF

Der Deutsche Herbst 1977 aus Sicht der Justiz

  • Mittwoch, 15.11.2017, 19 Uhr
  • Café Glaskasten (EG Hochhaus, Schöfferstraße 3)
  • Eintritt 6 EUR - für Studierende der h_da freier Eintritt!

Deutscher Herbst 1977 aus der Sicht eines Staatsanwalts a.D.: Im Fokus stehen dabei die Sprengstoffanschläge der Baader-Meinhof-Bande 1972, die Attentate im Deutschen Herbst, aber auch die Morde der 3. RAF-Generation. Dabei schildert der Referent seine eigene Beteiligung an den Ermittlungen (z.B. zur Todesnacht in Stammheim am 18.10.1977 und zur Schleyer-Entführung) und seine Teilnahme an mehreren RAF-Prozessen. Was können wir heute – im Zeichen des islamistischen Terrors – aus 1977 lernen?

Klaus Pflieger, geb. 1947, war von 1975 bis 2013 in der Justiz tätig, zunächst als Richter, dann als Staatsanwalt (davon 13 Jahre bei der Bundesanwaltschaft). Dabei war er mit zahlreichen terroristischen Verfahren befasst, z.B. mit dem Oktoberfestattentat 1980, den Todesschüssen auf Polizeibeamte am Frankfurter Flughafen 1987, den Brandanschlägen von Mölln 1992, dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 und vor allem mit Attentaten der RAF. Ab 1995 war Pflieger Chef der Staatsanwaltschaft Stuttgart und ab 2001 württembergischer Generalstaatsanwalt. Über sein „terroristisches“ Berufsleben hat er 2016 das Buch "Gegen den Terror - Erinnerungen eines Staatsanwalts" veröffentlicht.

 

28.11.2017 - Wie entstand die RAF? Aller Anfang liegt im Dunkeln

Übers Bürgertum als Geburtsstätte, Horst Mahler und die Tupamaros

  • Dienstag, 28.11.2017, 19 Uhr
  • Haus der Geschichte (Karolinenplatz 3)
  • Eintritt 6 EUR - für Studierende der h_da freier Eintritt!

Warum es zur Gründung der RAF kam, liegt bis heute vielfach im Dunkeln. Die entscheidende Figur war Horst Mahler. Warum sich gerade ein so prominenter Anwalt dazu entschloss, eine bewaffnete Organisation zu gründen, ist noch immer unklar. Er war es jedenfalls, der Baader und Ensslin aus Italien zurück nach Berlin holte, die RAF zu einer leninistischen Kadergruppe aufbauen wollte. Doch nicht er, sondern Baader wurde dann die Führungsfigur. Was waren 1970 seine Ziele, wer hatte Einfluss darauf?

Dr. Wolfgang Kraushaar (Jg. 1948), lebt und arbeitet in Hamburg, studierte an der Universität Frankfurt am Main Politikwissenschaft, Philosophie und Germanistik, promovierte mit einer Arbeit über den Strukturwandel der deutschen Universität; war von 1987 bis 2014 Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung und forscht seit 2014 an der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur über Protestbewegungen sowie die RAF und den internationalen Terrorismus. 2004 nahm er eine Gastprofessur an der Beijing Normal University wahr, zudem Lehraufträge an den Universitäten Hamburg, Berlin (FU) und Zürich. Einen Namen hat er sich insbesondere mit der Historisierung der 68er-Bewegung und des linken Terrorismus gemacht.

05.12.2017 - Heinrich Böll zum 100.

Von verlorener Ehre und fürsorglicher Belagerung. Der andere Deutsche (1917 - 1985) und der Deutsche Herbst 1977

  • Dienstag, 5.12.2017, 19 Uhr
  • Justus-Liebig-Haus (Große Bachgasse 2, Volkshochschule, Raum 23)
  • Eintritt 10 EUR - für Studierende der h_da freier Eintritt!

Schriftsteller, die sich politisch äußern, sind rar geworden. Der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll meldete sich immer zu Wort. Fragte als PEN-Präsident 1972: Will Ulrike Gnade oder freies Geleit? (Ulrike Meinhof). Sein Hauptgegner: Die Springer-Presse. National-Konservative nannten ihn einen "geistigen Sympathisanten" der RAF. Mehr als ein Dichter, Gewissen der Nation: In "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", in 30 Sprachen übersetzt und verfilmt, schlägt sich eine selbst erlebte Hausdurchsuchung nieder. Der Deutsche Herbst ist der Stoff der "Fürsorglichen Belagerung".

Marc Mandel wurde 1948 im Saarland geboren. Der 68er war viele Jahre als Rockmusiker und Barpianist unterwegs. Heute ist er im Unruhestand und lebt in Griesheim bei Darmstadt. 1968 schrieb er die ersten Kolumnen und satirischen Beiträge. Daneben entstanden Aphorismen, Gedichte und Kurzgeschichten. Er ist seit 2002 als freier Journalist für das Darmstädter Echo tätig. Im Mai 2014 erschienen im chiliverlag in Verl Kurzkrimis von Marc Mandel unter dem Titel Morden. Der gleiche Verlag veröffentlichte 2016 seine Stilfibel Machen! Silben, Sätze, Sensationen. Marc Mandels minimalistischer Merkratgeber für moderne Manuskriptmacher. Verl: chiliverlag 2016.