Demokratie an der FH Darmstadt abgeschafft!
01.Dec.2004
Getreu dem Motto der hessischen Kampagne "Bildungsstandort Hessen - Sie verlassen den demokratischen Sektor" wurde am 1. Dezember das Hochhaus der FH Darmstadt eine demokratiefreie Zone. Wer in das Hochhaus zu seinen Lehrveranstaltungen oder ins studentische Café zu seinem warmen Morgenkaffee mochte, musste eine Pass- und Identifikationskontrolle über sich ergehen lassen, Fragebögen ausfüllen, Auskunft über sein Leben geben, Schranken passieren und sollte nicht als subversives Element der Demokratie erkannt werden. Dazu gehören u.a. MitgliederInnen der studentischen Selbstverwaltungen wie ASten, Studierendenparlamenten und Fachschaften, aber auch sonstige engagierte Studierende. Allen, die Einlass in das Hochhaus begehrten, bekamen von den "Grenzern" sämtliche demokratische Rechte aberkannt.
Den StudentInnen wurde ein neuer Studierendenpass in olivgrün ausgehändigt. Unter anderem beinhalteten die Pässe die aktuelle Rechte des Bildungsstandorts Hessen. Hierzu gehört ein gebührenfreies Studium, Mitbestimmung an der Hochschule und verschiedenste solidarisch finanzierte Serviceleistungen.
Unterdessen wurden die Studierenden schon von unseren SpionenInnen mit folgenden Fragen verhört:
- Kennen Sie AStA-MitgliederInnen?
- Gehören Sie auch dazu?
- Was ist das da in Ihrer Tasche?
- Kennen sie folgende Personen? (eine Fahnundungsliste mit bekannten Wissenschaftsministern wurde dabei vorgezeigt)
Nachdem sich die StudentInnen in eine Schlange eingereiht hatten, wurden sie von aufmerksamen und höchst peniblen GrenzsoldatInnen in original Militäruniformen der Deutschen Demokratiefreien Republik (DDR) befragt und durchsucht. Mit autoritärer Stimme wurden die Anstehenden aufgefordert, sich ruhig zu verhalten, den Mund zu halten und die Anweisungen der GrenzerInnen widerstandslos zu befolgen. Wehrhafte AStA-MitgliederInnen, die unbefugterweise sich einzuschmuggeln versuchten, wurden kurzerhand durchgreifend abgeführt. Aufgefallen sind die subversiven Elemente bei der Durchsuchung, als zum Vorschein kam, dass sie Grundgesetzestexte der Bundesrepressiven Republik Deutschland mitführten. Verdutze StudentInnen folgten ratlos mit ihren Blicken den enttarnten RebellInnen. Untermalt wurde die Aktion durch das monotone Abspielen der Nationalhymne der Deutschen Demokratiefreien Republik. Waren dann die verängstigten StudentInnen an den Absperrungen und dem Wachhäuschen vorbei, ging es zur Kontrolle des Studierendenpasses. Durch die enthaltenen Rechte wurde dieser kurzerhand ungültig gestempelt.
Im Gebäude wurden dann noch die obligatorischen Infomaterialien verteilt und die StudentInnen informiert, dass dies eine Theateraktion gegen die aktuelle Novellierung des Hessischen Hochschulgesetzes sei. Weitere Informationen sind zu finden unter www.gegen-hhg.de. Dies war somit die erste große Aktion im Rahmen des hochschulpolitischen Adventskalenders.
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